Quelle: Berliner Kurier
Keine Speisekarte, keine Preise - was ist denn das für ein Restaurant? Mamma mia, ein exzellentes natürlich! Das Ristorante "Don Camillo" am Schloss Charlottenburg ist eine erstklassige Feinschmecker - Adresse.
"Wozu eine Speisekarte", fragt Guiseppe Roncoroni, der sympathische Patrone und lächelt dabei fast so verschmitzt wie der legendäre Don Camillo, der dem Restaurant den Namen gab und auf einem Gemälde gierig seine Spaghetti verschlingt.
Alle Speisen werden im Don auf dem Servierwagen, in Klarsichtfolie verpackt, vorgeführt. Die Entscheidung fällt schwer: Carpaccio vom Lachs oder Rind, Sellerie aus Veronaoder französische Champignons, hauchdünn mit Marinade bedeckt. Köstlich auch das in getrockneten, italienischen Speck gewickelte Rinderfilet. Die Doradefiletiert Signore höchstpersönlich. Und wieder rollt der Servierwagen an - mit "Blutwurst", einem italienischen Schokoladen-Keks-Dessert, und Erdbeeren, die in Acetato Balsamico und Berliner Senf eingelegt sind.
Über Preise wird im "Don Camillo" nur am Rande gesprochen. "Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Da passe ich mich den Zeiten an", sagt Guiseppe Roncoroni. So viel sei verraten: Ein Dreigängiges Dinner mit Wein kostet rund 50 Euro. Auch die Namen seiner prominenten Gäste verschweigt er diskret. Gratis aber erzählt er Ihnen auf jeden Fall seine Lebensgeschichte - wenn Sie mögen.
Das Ristorante "Don Camillo" finden SIe abseits vom Großstadttrubel in der Schloßstraße 7/8 in Charlottenburg. Geöffnet ist montags bis samstags 18:00, sonntags ist Ruhetag. [Gabriele Isringhausen]
Quelle: Berliner Morgenpost
Als Guiseppe Roncoroni 1979 das Don Camillo aus der Taufe hob, war Berlin noch so was wie ein Entwicklungsland, was Güte und Verbreitung der italienischen Küche anbelangt. Die Deutschen, vernahm der aus Como stammende Junggastronom mit Befremden, schätzten am Salat vor allem reichlich Tunfisch und Zwiebeln. Von da an wusste Signor Roncoroni, der diese bizarren Vorlieben bis dato allenfalls von Konservenfetischisten oder Nagetieren, nicht aber von Gourmets kannte, dass einiges an Entwicklungshilfe aufzubieten war, bevor die Berliner reif für jene gehobene italienische sein würden, die ihm vorschwebte.
Heute zählt das Don Camillo zu den Top-Adressen. Das liegt auch am überwältigenden Service, der dem Gast des heimeligen Restaurants das Gefühl gibt ein König zu sein. Zumal das Personal ihm vor jedem Gang auf Servicewagen Antipasti, Hauptgerichten und Desserts präsentiert. Zubereitet werden die Köstlichkeiten am Tisch. Die Portionen übersichtlich, aber sättigend, die Speisen leicht und frisch. Wie der Wein vom Fass, ein beschwingter wie beschwingender Soave.
Als Vorspeise wählten wir eine Komposition aus Gnocchi in Salbei, Paglia e Fieno in Schinken-Sahne-Soße sowie mit Ricotta gefüllte Teigtaschen. Hervorragend auch die Hauptgänge: das zart mit Knoblauch benetzte neuseeländische Lammfilet ebenso wie das con Pancetta umhüllte argentinische Rinderfilet. Ein Traum namens Tiramisu beschloss ein Mahl, das eleganter schwer zu finden ist und Signor Roncoroni jene finsteren Zeiten vergessen lassen dürfte, als Tunfisch und Zwiebeln hierzulande noch Qualitätskriterien darstellten. [wer]
Quelle: Wochenblatt Charlottenburg
Für Unkundige ruht das Charlottenburger Restaurant "Don Camillo" in einem Dornröschenschlaf. Zwischen der Knöterichhecke, die es dicht umrankt, findet man die Speisekarte kaum. Dennoch gilt es Eingeweihten seit bald zehn Jahren als gastronomische Spitzenadresse.
"Wir wollen keine Schiuckeria, die sich von luxuriösen Fassaden beeindrucken läßt", meint Inhaber Guiseppe Roncoroni (49). Seit 32 Jahren in der Gastronomie tätig, hat er in Berlinals einer der ersten das "Prinzip Glasnost" eingeführt.
Die Küche ist ihm kein abgeschirmtes Heiligtum, sondern lediglich Vorbereitungsraum. "Wir zeigen unseren Gästen alles, was wir haben. Sie können ihre Gerichte dann selbst zusammenstellen oder sich von uns beraten lassen", erläutert der in Como gebürtige Norditaliener.
Damit "alles frisch auf den Tisch" kommen kann, führt er allmorgendlich den "Kampf um die besten Filetstücke" auf dem Fleischmarkt. Für das Bresaola etwa, ein luftgetrocknetes Rinderfilet, das mit einer toscanischen Marinade gleich am Tisch zubereitet wird.
Viele Rezepte hat Guiseppe Roncoroni aus seiner Heimatregion mitgebracht. Pistolone nennt er eine Kartoffelteigtasche mit gekochtem Schinken und Ricottakäse, und mit brauner Butter übergossen. [idt]
